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Aus zwei mach eins!

13.06.2019 – Die Gesamtschule Hennef-West aus NRW hat es geschafft, an zwei Standorten eine neue Schule aufzubauen, mit der sich alle identifizieren.

„Als Schule im Aufbau mit zwei Standorten stand von Anfang an für uns fest: Wir müssen unbedingt am Thema Kommunikation arbeiten. Da kam die Unterstützung durch das Projekt LiGa NRW gerade zur rechten Zeit“, erinnert sich die Didaktische Leiterin Ina Hammer-Braß an den Beginn des Entwicklungsvorhabens der Gesamtschule Hennef-West. Eine große Herausforderung war, dass die 2013 gegründete Gesamtschule zwei auslaufende Schulsysteme an zwei Standorten ablöste und in einer Gesamtschule vereinen sollte. Während die „alten“ Schulen zeitversetzt endeten, lief die „neue“ Schule an.

Mittlerweile hat die Schule 1.041 Schülerinnen und Schüler und einen weiten Weg zurückgelegt. Waren es früher eher zwei Schulen, die ungefähr einen Kilometer voneinander entfernt lagen, ist es mittlerweile eine gut verzahnte Schule mit einer ungewöhnlichen räumlichen Aufteilung, die eine neue eigene Kommunikationskultur entwickelt hat. Ina Hammer-Braß erzählt: „Wir haben gemeinsam im Team Strukturen geschaffen, um bereits erarbeitete Abläufe und Inhalte an neue Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.“

Alles begann mit LiGa NRW

Im September 2016 startete die Praxisphase im Projekt LiGa NRW. Das Team erarbeitete zunächst eine Ist-Stand-Analyse. Mit wem muss die Schule intern und extern Informationen austauschen? Wo fehlen Kommunikationswege? Was ist schon in Arbeit, was muss noch warten? Als im Schuljahr 2016/17 der zweite Standort öffnete, war die Orientierung gerade für neue Mitglieder des Kollegiums eine große Herausforderung. Sie benötigten einen Wegweiser: Wie ist die Schule organisiert? An wen kann man sich wo mit welchen Fragen wenden?

Aus der Analyse dieser vielfältigen Fragen und Bedürfnisse entwickelte das Team um Ina Hammer-Braß neue Kommunikationskanäle wie die Einführung von schwarzen Brettern und Bildschirmen für Vertretungspläne. Außerdem entstanden zwei große Produkte: Das Handbuch für das Kollegium und der Schulplaner für alle Schülerinnen und Schüler und deren Eltern.

Ein Handbuch für das Kollegium

Für das Handbuch sammelte das Projektteam zunächst alles, was wichtig erschien – und sortierte im zweiten Schritt vieles davon wieder aus. Danach enthielt die Orientierungshilfe nur noch die wichtigsten Informationen, auf die man im Schulalltag häufig zugreifen muss. Vom Geschäftsverteilungsplan über die Hausordnung und IT-Anleitungen bis zu Informationen zu möglichen schulischen Laufbahnen der Schülerinnen und Schüler sowie Vordrucken: „Alles, was man sonst irgendwie gesucht hat, ist jetzt an einem Ort gebündelt“, freut sich Ina Hammer-Braß. Das Handbuch stößt seit der Einführung 2018 im Kollegium auf viel positive Resonanz – das belegte auch eine Online-Befragung mit der Feedback-App Edkimo. Es ist geplant, das Handbuch jährlich zu aktualisieren und zu ergänzen.

Ein Schulplaner für Schülerschaft und Eltern

Auch die Eltern wünschten sich ein Instrument für schnelle Kommunikation und Information. Das LiGa NRW-Team der Schule nahm den Impuls auf und gründete eine Arbeitsgruppe aus Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern. Die Arbeitsgruppe teilte sich im Oktober 2017 in zwei Gruppen mit den Schwerpunkten Finanzierung und Inhalte. Die Inhaltsgruppe entwickelte ihre Ergebnisse schrittweise – weg von allgemeinen Informationen hin zu einem passgenau auf die Schule zugeschnittenen Kommunikationsinstrument. „Dabei gab es heiße Diskussionen“, schmunzelt Lehrerin Eva Söller. „Aber genau so konnten wir gemeinsam mit allen erarbeiten, was in den Schulplaner reinkommt und was draußen bleibt.“ Auch die Kommunikation mit den Eltern soll in vielen Bereichen über den Planer laufen, unter anderem zur Terminfindung für Elternsprechtage. Die Schülerinnen und Schüler finden dort wichtige Ansprechpersonen innerhalb und außerhalb der Schule – vom Beratungsteam über den Mensa-Ausschuss bis hin zur Studien- und Berufsberatung. Der Planer erscheint erstmalig zum Schuljahr 2019/20.

Mischfinanzierung und viele Unterstützer

Die Finanzierungsgruppe erarbeitete eine kreative Mischfinanzierung für den Schulplaner. Zunächst unterstützte der Förderverein der Schule bei der Anschubfinanzierung für die höheren Kosten im ersten Jahr. Außerdem ging ein Großteil der Einnahmen des jährlichen Sponsorenlaufs 2018 an den Schulplaner. Auch in den Folgejahren ist ein kleinerer Anteil der Einnahmen für den Planer angedacht. Auf der im Januar 2018 erstmals stattfindenden Praktikumsbörse stellte das Team allen Betrieben den Schulplaner vor und ermöglichte ihnen, Werbung zu schalten. So konnten Sponsoren gewonnen werden. Der von der Schulpflegschaft zweimal jährlich organisierte Schulflohmarkt trägt über Standgebühren und den Verkauf von Sachspenden langfristig zur Finanzierung bei.

Die Beteiligung der Eltern- und Schülerschaft hat viele Ressourcen freigesetzt. Die Eltern waren nicht nur Impulsgeber für den Schulplaner – auch im Projektverlauf haben sie viel Verantwortung übernommen. So gestaltet beispielsweise eine Mutter, die Grafikerin ist, ehrenamtlich das Layout.
Die Schülerinnen und Schüler hatten unter anderem die Idee, einen Wettbewerb für das Titelbild des Planers in der Schülerschaft durchzuführen. Sie haben alles eigenständig organisiert: Von der Vorbereitung des Wettbewerbs über die Werbung in den Klassen bis hin zur Wahl des Gewinnermotivs durch die gesamte Schulgemeinschaft auf dem Schulfest. Außerdem wird die Fachschaft Kunst ab jetzt jedes Jahr einen Wettbewerb zur Gestaltung des Einbands ausrufen.

Die Beteiligung hat die Identifikation der Schülerschaft sowohl mit dem Planer als auch der Schule gestärkt. „Als wir anfingen, ging es eigentlich erstmal nur um Strukturen – darum, Menschen unter einen Hut zu bringen. Dann kam die Öffnung zu den Eltern, zu den Schülerinnen und Schülern. Und jetzt, nach zwei Jahren, halten wir zwei so große, tolle Produkte in unseren Händen. Das hätte ich echt nicht gedacht!“, fasst Ina Hammer-Braß die erfolgreiche LiGa NRW-Teilnahme zusammen.

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