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Externe Programmevaluation: Zusammenarbeit von Schulleitung und Schulaufsicht

19.10.2017 – Im Schuljahr 2016/2017 wurden Schulleitungen und Schulaufsichtspersonen befragt wie die Zusammenarbeit gegenwärtig eingeschätzt wird und welche Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit es gibt.

Die externe Programmevaluation von „LiGa – Lernen im Ganztag“ hat in ihrer Eingangserhebung einen Fokus auf die Zusammenarbeit von Schulleitungen und Schulaufsichten gelegt. Denn eine Ausgangsthese des Programms lautet, dass durch eine enge Zusammenarbeit von Schulleitungen und Schulaufsichten die Qualitätsentwicklung an den teilnehmenden Schulen befördert werden kann. 

Wie wird die Zusammenarbeit gegenwärtig eingeschätzt? Welche Erwartungen bestehen an die zukünftige Zusammenarbeit? Dazu wurden im Schuljahr 2016/2017 Schulleitungen und Schulaufsichtspersonen befragt. Es beteiligten sich 166 (von 278) Schulleitungen aus fünf Bundesländern sowie 35 (von 61) Mitarbeitende der Schulaufsichten. 

Unterschiedliche Einschätzung, welche Bereiche der Zusammenarbeit bedeutsam sind

Schulleitungen und Vertreterinnen und Vertreter der Schulaufsicht waren jeweils eingeladen einzuschätzen, welche Bedeutung ausgewählten Bereichen in ihrer bisherigen Zusammenarbeit zukommt:

Abbildung: Bitte geben Sie an, welche Bedeutung die folgenden Bereiche in der Zusammenarbeit bisher haben. Dargestellt sind hier die Antwortmöglichkeiten 4 und 5 auf einer Skala von 1 „überhaupt keine Bedeutung“ bis 5 „sehr große Bedeutung“. (Angaben in Prozent, Schulleitungen: n=155 bis 159, Schulaufsicht: n=33 bis 34)



Besonders auffällig ist, dass die beiden Befragtengruppen den Ist-Stand sehr unterschiedlich beschreiben. Sie haben unterschiedliche Wahrnehmungen in Bezug auf die Bereiche Qualitätsentwicklung, Beschwerdemanagement und Entwicklung individualisierter Lernformen: Diesen Bereichen kommt nach Aussage von Vertreterinnen und Vertretern der Schulaufsicht bisher die größte Bedeutung zu (zwischen 74 und 79% der Nennungen). Dagegen erleben nur 41%, 31% bzw. 29% der befragten Schulleitungspersonen diese Bereiche als sehr bedeutsam in der bisherigen Zusammenarbeit.

Schulleitungen schreiben mehrheitlich nur zwei Bereichen ihrer Zusammenarbeit eine große Bedeutung zu – nämlich der Umsetzung von Rechtsvorschriften und der Planung von Ressourcen. Im Vergleich dazu nennen die Schulaufsichten vier Bereiche, denen sie große Bedeutung in der bisherigen Zusammenarbeit beimessen: Qualitätssicherung, Rechtsvorschriften, Beschwerdemanagement und Entwicklung individualisierter Lernformen.

Während Schulleitungen vor allem Aspekte nennen, die Schulaufsicht in eine eher traditionelle Aufsichts- und Kontrollfunktion einordnet, erleben Schulaufsichtspersonen sowohl die Bedeutung dieser klassischen Aufgaben als auch eine begleitende Rolle von Qualitätsentwicklungsprozessen.

Hohe Übereinstimmung beim Blick in die Zukunft 

Eine weitere Frage an die Schulleitungen und Schulaufsichtspersonen lautete: Welche Bedeutung würden Sie den verschiedenen Bereichen zukünftig gerne geben? Sowohl befragte Schulleitungen als auch Schulaufsichtspersonen wollen künftig gemeinsam die Entwicklung individualisierter Lernformen vorantreiben. 94% der Schulaufsichtspersonen und 79% der Schulleitungen möchten diesem Thema in der Zusammenarbeit in Zukunft eine große Bedeutung zuschreiben.

Ebenso sehen 9 von 10 befragten Schulaufsichtspersonen und 7 von 10 Schulleitungen die Qualitätssicherung an Schulen als wichtiges Thema für die künftige Zusammenarbeit. Beide Gruppen möchten demzufolge genau die beiden Bereiche der Zusammenarbeit stärken, die im Fokus von „LiGa – Lernen im Ganztag“ stehen: individualisiertes Lernen und Qualitätsentwicklung.

Abbildung: Uns interessiert, welche Bedeutung Sie diesen Bereichen in der Zusammenarbeit zukünftig gerne geben würden. Dargestellt sind die Antwortmöglichkeiten 4 und 5 auf einer Skala von 1 „weniger Bedeutung“ bis 5 „mehr Bedeutung“. (Angaben in Prozent, Schulleitungen: n=140 bis 160, Schulaufsicht: n=28 bis 34)


Viele der befragten Schulaufsichtspersonen wünschen sich, weniger mit Beschwerdemanagement und der Umsetzung von Rechtsvorschriften befasst zu sein als bisher. Dies verweist auf Rollenklärungsprozesse, die Schulaufsichten in Bezug auf ihre Tätigkeit durchlaufen.

Spannend ist auch das Abschneiden des bisher gängigen Instruments für die – auch zukünftig gewünschten – Gespräche zur Qualitätsentwicklung: Nur 35% der Schulleitungen, aber auch nur 65% der Schulaufsichtspersonen messen den Zielvereinbarungen eine große Bedeutung für die zukünftige Zusammenarbeit bei. Sind hier andere Formate für die Zusammenarbeit gefragt?

Um weiter an dieser zentralen Frage nach geeigneten Arbeitsinstrumenten der beiden Gruppen zu arbeiten, eröffnet „LiGa – Lernen im Ganztag“ verschiedene Angebote. Schulleitungen und Schulaufsichtspersonen artikulieren Interesse an gemeinsamen Austauschmöglichkeiten, gemeinsamen Qualifizierungsangeboten und dem Agieren in Netzwerken. Die ersten Rückmeldungen zu den Angeboten des Programms sind positiv.

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