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Gute Ganztagsschule gestalten

24.05.2017 – Zum Fachtag „Gute Ganztagsschule gestalten“ kamen Mitte Mai über 60 Schulleitungen in Berlin zusammen.

„Gute Ganztagsschule gestalten“ – unter diesem Motto kamen mehr als 60 Schulleitungen am 12. Mai im Berliner dbb forum zusammen. Denn wenn es darum geht, die Qualität von Ganztagsschulen zu verbessern, spielen sie eine Schlüsselrolle. Der Fachtag des Programms „LiGa – Lernen im Ganztag“ bot Einblicke in gute Schulbeispiele und Raum für den länderübergreifenden Austausch.

Viele Bälle in der Luft halten

Zauberkünstler Alexander Merk warf zum Auftakt des Fachtags nicht nur Bälle in die Luft, sondern auch die Frage auf, ob Schulleitungen zaubern können. „Ganztagsschule mit allen Facetten zu gestalten ist ein hochkomplexes Vorhaben“, sagte Nicole Guthier, Schulleitungsmitglied des Goethe-Gymnasiums im hessischen Bensheim, in der Podiumsrunde. „Mit allen Bällen zu jonglieren, die da in der Luft sind – das ist die hohe Kunst.“ Und es darf auch mal ein Ball runterfallen: Dass nicht alles auf Anhieb klappt und auch mal eine Idee oder ein Vorhaben scheitert, gehört aus ihrer Sicht einfach dazu.

Eine Vision entwickeln – und Geduld haben

„Es bedarf eines roten Fadens und der Geduld“, sagte Petra Fojut, Abteilungsleiterin Fort- und Weiterbildung am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH). Der Weg zur guten Ganztagsschule kann nur Schritt für Schritt erfolgen. Zunächst muss die Schulgemeinschaft eine gemeinsame Vision entwickeln, wie ihre Schule sein soll. Nach einer Bestandsaufnahme erfolgt dann die Umsetzung. Jahresarbeitspläne mit realistischen Teilzielen und Festlegung der Zuständigkeiten sind aus ihrer Sicht sehr hilfreich. Als weitere wichtige Punkte nannte Fojut eine gute Dokumentation, regelmäßige Evaluation sowie Fortbildungen und Hospitationen. „An dem Prozess sind alle beteiligt, aber einer – oder eine – muss leiten!“

Auch Schüler gestalten Schule!

Auch zwei Schülerinnen stellten ihre Sichtweise dar. Was macht für sie eine gute Ganztagsschule aus? Jolina und Josephina von der Grund- und Gemeinschaftsschule Boostedt erzählten unverblümt und anschaulich von ihrem Schulalltag. Dass sie nach der vierten Klasse wegen der Filz-AG an der Schule geblieben sind, dass sie die Mittagspause gern anders gestalten würden und nach dem Essen am liebsten erst mal abhängen. Aber auch, dass sie die besagte Filz-AG nun selber leiten und ihre Schule toll finden, weil sie als Schülerinnen und Schüler so viele Möglichkeiten haben, sie mitzugestalten. Im SES-Team (Schüler entwickeln Schule) kann an der Boostedter Schule jeder seine Ideen einbringen. Zu den Erfolgen des Teams zählt beispielsweise der Handynutzungsvertrag.

Einen guten Rhythmus finden

Nach der Podiumsrunde folgten zwei Arbeitsphasen, in denen die Schulleiterinnen und Schulleiter konkrete Beispiele aus anderen LiGa-Schulen kennenlernen und ihre Erfahrungen austauschen konnten. Dabei ging es unter anderem um Akzeptanzmanagement in Veränderungsprozessen, individualisiertes Lernen und die Rhythmisierung des Ganztags. So stellte beispielsweise Ulrike Rupieper von der Teamschule Drensteinfurt vor, wie an ihrer Schule der Tagesablauf getaktet ist – wie sich Fach-, Profil- und Projektunterricht, Selbstgesteuertes Lernen (SegeL) und natürlich Pausen abwechseln. Gerade in den SegeL-Stunden lernen die Kinder ganz individuell: Sie setzen sich Tagesziele, dokumentieren alles im Wochenplaner und können auch die Niveaustufe und den Wochentag für den Test selbst auswählen.

Einen Raum für Austausch und Feedback schaffen

Im Workshop „Feedback im multiprofessionellen Team“ berichtete Pia Kampelmann, wie an der Evangelischen Sekundarschule in Haldensleben einmal in der Woche alle zur Schul-Assembly zusammenkommen. Die Versammlung ist verpflichtend für alle Schüler, Lehrkräfte und alle anderen am Erziehungsprozess Beteiligten. In ihrem Vortrag legte die Schulleiterin eindrücklich dar, wie sich das Schulleben durch diese Runde verändert hat und die Beteiligten noch mehr zusammengewachsen sind. Alle sind dadurch immer auf dem Laufenden und haben einen Rahmen, in dem sie sich einfach einbringen und einander Feedback geben können. „Ich überlege grade, wie ich so eine Versammlung auch an meiner Schule initiieren kann“, sagten mehrere Teilnehmende nach dem Workshop, tauschten Visitenkarten aus und verabredeten sich für Hospitationen und Gespräche.

Wie wichtig der Austausch ist, betonten zum Abschluss der Veranstaltung auch Programmleiter Christian Hahn von der DKJS und Projektleiterin Dr. Petra Strähle von der Stiftung Mercator. „Wir hoffen, dass Sie die hier entstandenen Ideen mitnehmen und gemeinsam weiterdenken – nicht nur an Ihren Schulen, sondern auch in den Netzwerken mit den anderen LiGa-Schulen, die heute nicht vertreten waren“, sagte Hahn.

Die ausführliche Dokumentation und Beiträge zu den einzelnen Workshops finden Sie in Kürze auf dieser Website!

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