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Hospitationstag in Lauterbach

15.11.2018 – „Enjoy & Achieve“ und Classroom Management. Am 30.10. fand im Rahmen des Programms „LiGa Hessen“ ein Hospitationstag an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach statt.

„Jeder Schüler ist uns wichtig.“ Dieser pädagogische Leitsatz prägt die Haltung, mit der Lehrkräfte an der Alexander von Humboldt Schule ihren etwa 1000 Schülern und Schülerinnen begegnen.

Das Gymnasium ist eine LiGa-Schule im mittelhessischen Lauterbach. Zum Thema „Classroom Management“ öffnet die Schule an diesem 30. Oktober 2018 ihre Türen. Zu den 20 Gästen zählen neben den LiGa-Teams auch Teilnehmerinnen aus dem Projektbüro „Individuelle Förderung“ Südhessen sowie der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hessen.

Enjoy & Achieve

In der einladend gestalteten Aula begrüßen die Schulleiterin Gitta Holloch und der stellvertretende Schulleiter Joachim Gerking die Hospitanten und fassen das Konzept einer guten Schule in zwei Worte zusammen: „Enjoy & Achieve“. Dieses Motto ist Leitmotiv für  dieLehrer sowie Schülerinnen und Schüler, die Freude am Lernen und Leisten entwickeln sollen.

Die Alexander-von-Humboldt-Schule sieht sich nicht als „Reparaturbetrieb“, in dem Förderung nach außen verlagert wird. Sie hat den Anspruch, lernwirksamen Unterricht für alle anzubieten. Dabei orientiert sie sich an wissenschaftlichen Grundlagen. Sie bezieht die Erkenntnisse der Hattie-Studie zur Wirksamkeit von Unterricht und Handeln der Lehrpersonen ein und berücksichtigt Ergebnisse empirischer Unterrichtsforschung und Fachdidaktik nach Lipowsky und Klieme.

Die drei Basisdimensionen von gutem Unterricht sind für die Schule handlungsleitend: kognitive Aktivierung, effektives Classroom Management und ein positiv ausgeprägtes Unterrichtsklima.

Was zählt, ist guter Unterricht!

Die Umsetzung dieser Dimensionen spiegelt sich im Unterricht wider. Classroom Management wird sichtbar in Räumen, Routinen, Regeln und Ritualen, die für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen gelten. Für Transparenz sorgen beispielsweise Plakate im Klassenzimmer, welche die Leitmotive, Ziele, Vorgehensweise, Erfolgskriterien und Unterrichtsinhalte sichtbar machen.

Die Lehrperson als Führungskraft sorgt für ein positiv ausgeprägtes Unterrichtsklima, strukturiert den Unterricht und zeigt unterstützendes Verhalten. Hier zählen vor allem eine „No-blame-Kultur“, sanktionsfreie Übungsphasen und ein konstruktives, am individuellen Lernprozess orientiertes Feedback.

Was lässt sich im Unterricht beobachten?

Zur Begrüßung stehen die Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht der 6c auf. Ein Zeichen gegenseitigen Respekts und ein klares Startsignal. Dann macht die Lehrerin den Unterrichtsverlauf für alle transparent: Nach Rückblick und Wiederholung folgen Übungen im Tandem und zum Abschluss ist Zeit für offene Fragen.

Die Startaufgabe dient dem Rückblick und der Aktivierung des Vorwissens. „Was solltest du dir in der letzten Stunde unbedingt merken?“ Das ist die Leitfrage. Die eigene Antwort wird im Anschluss mit denen der anderen abgeglichen. In einer kurzen Inputphase wiederholt die Lehrerin im Unterrichtsgespräch die Inhalte der vergangenen Stunde. Mit der Frage: „Wie würdest du es erklären?“, fordert sie die Schüler auf, ihr Wissen zu „Winkeln an Geradenkreuzungen“ zu verbalisieren.

Die Übungsphase wird im kooperativen „Think-Pair-Prinzip“ gestaltet: Jeder Schüler löst individuell seine Aufgabe und gleicht diese anschließend im Tandem mit einem Partner ab, der die Lösung hat. Den Abschluss bildet eine Reflexions- und Feedbackrunde, die die Ergebnisse sichert, aber auch die Metaebene („Wie haben wir gearbeitet?“) in den Blick nimmt.

Lernen ist Denken!

Alle Schülerinnen und Schüler sind durch passende Aufgaben- und Fragestellungen kognitiv aktiviert und am Unterricht beteiligt. Sie sind in mehreren Situationen aufgefordert, eigenes mathematisches Wissen zu formulieren und Fragen zu stellen. Sie denken über ihr Lernen nach und partizipieren durch ihr Feedback an der weiteren Gestaltung des Unterrichts. Das hierdurch verstärkte Selbstwirksamkeitserleben der Schüler verändert ihr Selbstbild. Sie entwickeln ein „growth mindset“, ein dynamisches Selbstbild, das „Enjoy & Achieve“ möglich macht.

Wie wurden diese Veränderungen erreicht?

Die Alexander-von-Humboldt-Schule setzt auf eine Ermöglichungskultur, auch für die Lehrenden. Die gute Lernkultur muss sich im Kollegium widerspiegeln. Jeder Lehrkraft soll dabei eine Entfaltung entlang ihrer persönlichen Stärken zugestanden werden. Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit. Es werden hierfür jährliche Lehrgänge zum Classroom Management angeboten. Kollegiale Hospitationen und Teamarbeit werden durch die Schulleitung mit Entlastungszeiten honoriert. Diese Maßnahmen erhöhen nach Hattie die „kollektive Wirksamkeitserwartung“ – die Selbstwahrnehmung der Lehrperson hinsichtlich ihrer Fähigkeit, die Leistungen der Lernenden positiv zu beeinflussen.

Auch am Hospitationstag wurde genau dies sichtbar. An den Präsentationen, Hospitationsangeboten und in den Feedbackrunden waren zahlreiche Lehrkräfte der Schule mit ihren spezifischen Expertisen beteiligt.

Eine offene und konstruktive Frage-, Diskussions- und Feedbackrunde mit wertvollen beiderseitigen Impulsen beendete diesen eindrucksvollen Hospitationstag. Herzlichen Dank nach Lauterbach!

 

k