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Kontextsteuerung

27.06.2018 – Schulleitungen und Schulaufsicht in Hessen haben sich mit einem neuen Ansatz für ihre Zusammenarbeit beschäftigt.

Schulleitungen und Schulaufsicht in Hessen haben sich im Rahmen einer LiGa-Qualifizierungsveranstaltung mit einem neuen Ansatz für ihre Zusammenarbeit beschäftigt. Was verbirgt sich hinter „Kontextsteuerung“? Und kann sie einen Rahmen für die Begleitung der LiGa-Entwicklungsvorhaben bieten?

Der Ausgangspunkt: Zusammenarbeit von Schulleitung und Schulaufsicht

Wie Schulentwicklung im Dialog von Schulleitung und Schulaufsicht gut funktionieren kann, erfuhren die Teilnehmenden bei der Auftaktveranstaltung zur „Qualifizierung der Steuerungsebene“ von LiGa Hessen am 20. Februar 2018 in Frankfurt. Der Ansatz der Kontextsteuerung wurde als Grundlage für die Begleitung der LiGa-Entwicklungsvorhaben diskutiert.

Die Grundidee: Schulspezifische Entwicklung braucht schulspezifische Steuerung

Zentrales Thema der Qualifizierung ist die Steuerung von Schul- und Qualitätsentwicklung in den LiGa-Schulen und dabei insbesondere die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Schulaufsicht gestaltet wird. Ein Rahmen für diese Zusammenarbeit in LiGa soll gleichermaßen die eigenverantwortliche Gestaltung der LiGa-Vorhaben ermöglichen, aber auch regelmäßige Reflexionen bzw. Evaluationen und Rechenschaftslegung gewährleisten.

Wichtige Fragen bezogen auf ein LiGa-Entwicklungsvorhaben zum Thema „Einführung von Lernzeiten“ wären beispielsweise:

  • Welche Ressourcen kann die Schule für die individuelle Gestaltung der Lernzeiten nutzen? Wie möchte sie ihre Lernzeiten ausgestalten?
  • Welche Möglichkeiten der Unterstützung durch die Schulaufsicht sind zielführend?
  • Wie kann die Schule den Fortschritt des Vorhabens verdeutlichen?


So basiert die Zusammenarbeit auf einer klaren Vereinbarung des Rahmens. Innerhalb dessen kann die Schule jedoch eigenständig bei der konkreten Gestaltung schulischer Lernzeit-Konzepte agieren.

Der Ansatz: Kontextsteuerung als Rahmen für die Steuerung schulspezifischer Entwicklungen

Die Zusammenarbeit zwischen Schulaufsicht und Schulleitung ist im Modell der „Kontextsteuerung“ durch das Vertrauen geprägt, dass die schulspezifisch richtige Ausgestaltung des jeweiligen LiGa-Vorhabens am besten vor Ort gelingt. Die Schule kann selbst festlegen, in welcher Form die Gestaltung von Lernzeiten unter Berücksichtigung der eigenen Rahmenbedingungen möglich ist. Eine regelmäßige Reflexion des Entwicklungsstands trägt zur Qualität bei. Dafür ist es hilfreich, wenn der Projektarbeit ein relativ offenes Steuerungsverständnis zugrunde liegt.

Was bedeutet dies konkret? Beim Konzept der Kontextsteuerung respektiert die Steuerungsinstanz – in diesem Fall die Schulaufsicht – die Autonomie der Schule und schafft Bedingungen, unter denen sich die Selbststeuerung entfalten kann. Das setzt voraus, dass die Schule klare Vorstellungen davon hat, welche schulspezifischen Ziele sie mit der Gestaltung der Lernzeit erreichen möchte (z. B. festgelegt im Leitbild oder in den Zielvereinbarungen). Gleichzeitig muss bei der Umsetzung beachtet werden, dass möglichst alle Lehrkräfte an einem Strang ziehen. Dabei ist ein regelmäßiger Blick auf die Umsetzung des Vorhabens wichtig. Er umfasst die Reflexion über Gelungenes, aber auch die Definition von Hemmnissen und Problemen (z. B. mit Hilfe typischer Evaluationsinstrumente wie Befragungen, Beobachtungen, Dokumentenanalysen etc.). Außerdem ist die Rückmeldung an die Schulaufsicht über Reflexionsergebnisse und daraus folgende Entwicklungsmaßnahmen wichtig, damit sie die weitere Arbeit am Vorhaben unterstützen kann (z. B. in sogenannten Meilenstein- oder Schulentwicklungsgesprächen).

Die Umsetzung: Kontextsteuerung als (zumindest teilweise) gelebte Praxis in Schulen

Der Ansatz der Kontextsteuerung ist nicht neu. Innovativ ist jedoch seine Anwendung im Bildungskontext. Dort wird er seit einigen Jahren insbesondere für den Schul- und Hochschulsektor diskutiert, nachdem offensichtlich wurde, dass traditionelle Steuerungsmechanismen bei zunehmender Eigenverantwortung nicht wirken. Aber auch in der Schule selbst finden sich vielfältige Prozesse, die nach den Prinzipien der Kontextsteuerung funktionieren, ohne sie explizit so zu benennen.

Beispiele hierfür sind …

  • die Einführung von Teamstrukturen, beispielsweise zu konkreten Unterrichtsentwicklungsvorhaben oder bei der Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Teamleitungen erhalten die Eigenverantwortung zur Gestaltung ihrer Projekte und müssen gleichzeitig in regelmäßigen Teamgesprächen oder mit Hilfe von Instrumenten des Projektmanagements über ihre Arbeit reflektieren (z. B. anhand durchgeführter Befragungen etc.) und berichten.
  • das Schaffen spezifischer Funktionsstellen mit konkreten Aufgabenbeschreibungen, die nach dem gleichen Prinzip eines vertrauensvollen Zusammenspiels aus Eigenverantwortung und Rechenschaftslegung funktionieren.
  • das selbstständige Lernen, in dem die Zusammenarbeit zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrkraft auf dem Prinzip von Selbstverantwortung und Selbstreflexion über das eigene Lernen beruht.


Die Herausforderung: Kontextsteuerung an der Schnittstelle Schule-Schulaufsicht


Für die Schulaufsicht bedeutet Kontextsteuerung im LiGa-Zusammenhang, den Rahmen für die eigenverantwortliche Ausgestaltung der LiGa-Vorhaben zu definieren und das Gespräch über die Umsetzung des Vorhabens und mögliche Entwicklungsmaßnahmen zu suchen. Sie greift dabei nicht in die konkrete Vorgehensweise der Schule ein. Die regelmäßigen Netzwerktreffen bilden ein wichtiges Forum für die koordinierte Zusammenarbeit auf mehreren Systemebenen. Die Qualifizierungs- und Austauschtreffen für Schulleitungen und Schulaufsicht sind dafür gleichsam wichtig. Die bei der LiGa-Veranstaltung in Frankfurt intensiv geführten Diskussionen können als gute Basis für nachfolgende Veranstaltungen genutzt werden. Eine spannende Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Schule
und Schulaufsicht steht den Teilnehmenden von LiGa Hessen bevor.

Information zum Workshop „Kontextsteuerung“ vom 20. Februar 2018 finden Sie hier.

Text: Annika Zurwehme

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