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Lernbüros und Lerninseln an Kasseler LiGa-Schule

20.09.2018 – Die Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Kassel ist immer in Bewegung. Seit 1975 ist sie Gesamtschule, seit 1992 Europaschule, seit 2000 Schule mit Ganztagsangebot und seit 2015 nimmt sie am Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“ teil.

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Die Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Kassel ist immer in Bewegung. Seit 1975 ist sie Gesamtschule, seit 1992 Europaschule, seit 2000 Schule mit Ganztagsangebot und seit 2015 nimmt sie am Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“ teil.

„Vor ein paar Jahren merkten wir, dass wir an unserer Schule etwas verändern müssen“, erzählt Schulleiter Mathias Koch. „Die Schülerzahlen waren rückgängig und unsere Schule einfach nicht mehr zeitgemäß.“ Daraufhin setzte sich die Schulleitung in einer Wochenendklausur zusammen und entwickelte das Konzept der neuen GAZ. „Kurze Zeit später bekamen wir die Möglichkeit, am LiGa-Programm teilzunehmen. Damit war für uns klar: Unser Entwicklungsvorhaben ist, die Schule komplett umzukrempeln. Dass das für uns Klotzen statt Kleckern bedeutet, wurde uns erst viel später bewusst“, fügt Schulleiter Koch hinzu. Vor drei Jahren begann die Veränderung des Ganztags im 5. Jahrgang – seitdem kommt jedes Jahr ein neuer Jahrgang hinzu. In drei Jahren ist der Umbau fertig und alle Schülerinnen und Schüler sind erreicht. Doch was bedeutet neue GAZ? Im Wesentlichen geht es darum, …

  •     ein vierstündiges Lernbüro einzuführen,
  •     die Rhythmisierung des Ganztags auszubauen,
  •     den Ganztag mit drei verpflichtenden Nachmittagen auszubauen,
  •     die Fachkoordination zwischen den Jahrgängen zu verbessern,
  •     die Ziele des pädagogischen Tages klarer zu definieren.


Einführen eines vierstündigen Lernbüros

Zweimal pro Woche haben die Schülerinnen und Schüler jeweils eine Doppelstunde Zeit, unter Aufsicht der Klassenlehrerinnen und -lehrer selbständig zu arbeiten. Auf Jahrgangsebene bekommen sie Aufgabenempfehlungen von den Fachlehrkräften. Die Entscheidung, was sie letztlich bearbeiten möchten, treffen sie aber individuell. In regelmäßigen Feedback-Gesprächen mit den Lernbüro-Lehrkräften erhalten die Jugendlichen Rückmeldungen zu ihrer Arbeitsweise und ihren -ergebnissen.

Fester Bestandteil des Lernbüros ist die halbjährliche sogenannte „Herausforderung“. Hier können die Schülerinnen und Schüler verschiedenen Projekten nachgehen, beispielsweise etwas backen, ein Gedicht verfassen und vortragen oder ein Fahrrad reparieren. Der Weg ist das Ziel, denn am Ende stellen sie ihre Vorgehensweise vor. Wie haben sie die Herausforderung gemeistert? Wo traten möglicherweise Probleme auf? Wie haben sie diese gelöst? Die Betreuung durch die Lehrkräfte ist dabei in den niedrigeren Jahrgangsstufen engmaschiger als in den höheren. Die Jugendlichen sollen bei der Herausforderung in erster Linie lernen, im Team zu arbeiten. Schulleiter Koch sagt: „Meines Erachtens ist das Lernbüro eine optimale Vorbereitung für die Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss anstreben. Ein fester Bestandteil der zentralen Abschlussprüfung ist eine Projektprüfung.“

Auch die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sind sehr positiv. Ihnen gefällt der grundsätzliche Unterschied zum regulären Unterricht: selbst entscheiden zu dürfen, wie und an welchem Projekt sie arbeiten möchten. Auch die Lehrerinnen und Lehrer sind begeistert vom Lernbüro. Die ruhige, selbstständige Lernatmosphäre und hohe Arbeitsmotivation der Schülerinnen und Schüler entschädigt die meisten für einen erhöhten Koordinationsaufwand. Die Arbeiten und Ergebnisse des Lernbüros werden im sogenannten GAZ-Buch festgehalten. Es ist mittlerweile ein unerlässliches Instrument zur Schul- und Unterrichtsorganisation für die einzelnen Schülerinnen und Schüler geworden.

Rhythmisierung des Ganztags

Die GAZ hat eine Ganztagsbetreuung mit zusätzlichen Lernzeiten für die Schülerinnen und Schüler eingeführt und Lerninseln gebaut. Das sind Rückzugsräume, in denen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, in einer ruhigen Atmosphäre zu lernen und zu arbeiten. An drei Nachmittagen pro Woche findet mittlerweile Pflichtunterricht statt. Die Rhythmisierung entspricht dem Qualitätsrahmen für ganztägig arbeitende Schulen – die Fächer sind dementsprechend gelegt, dass An- und Entspannung sich abwechseln. So können sich die Schülerinnen und Schüler im Pausensport austoben, um danach in der Bibliothek zu entspannen. Außerdem wurde das Fach kulturelle Bildung als zweistündiges Pflichtfach eingeführt.

Die Fachkoordination zwischen den Jahrgängen verbessern

Die Lehrerinnen und Lehrer an der GAZ arbeiten in fächerübergreifenden Jahrgangsteams zusammen. Innerhalb dieser Teams wird alles Wichtige für das nächste Jahr – Termine, Erkenntnisse und Erfahrungen – an die Lehrkräfte der nachfolgenden Jahrgänge weitergegeben. Gemeinsam mit einem Coach haben die Lehrerinnen und Lehrer daher ein neues Format der Wissensweitergabe entwickelt – ein standardisiertes Formular mit den wichtigsten Infos für die nachfolgenden Jahrgangsteams. Wann ist welche Veranstaltung? Wieviel Vorlauf muss bei der Planung welcher Veranstaltungen berücksichtigt werden? In welchem Gremium müssen diese angekündigt werden?

Ziele des pädagogischen Tages klarer definieren

Ein Tool, um das Wissen an nachfolgende Jahrgangsteams weiterzugeben, ist der pädagogische Tag. Bereits vor der Programmteilnahme ins Leben gerufen, wird er im Rahmen des LiGa-Programms weiterentwickelt. Großes Ziel ist es, dass sich die Fachkolleginnen und -kollegen eines Jahrgangs zusammensetzen und Unterrichtseinheiten konzipieren, die später gemeinsam ausgewertet werden. Schulleiter Koch erzählt: „Da besteht bei uns noch Entwicklungsbedarf. Das ist ein sehr anspruchsvoller Prozess, denn man muss das gesamte Kollegium mitnehmen und überzeugen. Das bedeutet weitere Termine und kurzfristig mehr Arbeit. Langfristig verbessern wir aber die Qualität unseres Ganztags.“ Er fügt hinzu: „Für mich ist das A und O der Schulentwicklung die Überzeugungsarbeit und das Überwinden von Widerständen.“

Unterstützung durch das LiGa-Programm

Schulleiter Koch ist sehr froh über die Teilnahme am LiGa-Programm: „LiGa schafft den Rahmen für die Weiterentwicklung unserer Schule. Es bietet eine Infrastruktur für den qualifizierten Austausch mit Gleichgesinnten. Die Netzwerktreffen bieten uns die Möglichkeit, mit den Kolleginnen und Kollegen fernab von der Schule wichtige Themen zu besprechen und zu entwickeln. Das ist richtig gut. Auch der fachliche Input ist für die Schulleiterinnen und -leiter immer von großem Nutzen.“ Außerdem profitiert die GAZ als Europaschule von der Teilnahme am LiGa-Programm. Fortbildungen, die sie im Rahmen von LiGa hält, können auch auf den Anforderungskatalog als Europa-Schule angerechnet werden. Schulleiter Koch sagt: „Wir haben eine wunderbaren Transfer-Effekt von LiGa zu unserem Europa-Schulen-Projekt. Wir geben unser vielfältiges Know-how weiter und da sind wir schon ziemlich stolz drauf.“

Eckdaten zur Georg-August-Zinn-Schule:

  •     Schulform: Sekundarschule (Klassen 5 - 10)
  •     Ganztagsschulform: gebundene Ganztagsschule an drei Nachmittagen
  •     Homepage: www.gaz-kassel.de
  •     Kontakt: info@gaz-kassel.de
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