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Lernsettings in der Ganztagsschule gestalten

04.04.2019 – Die Teilnehmenden der 2. Werkstatt von LiGa Berlin erarbeiteten, wie man Räume gestaltet, damit Lernen besser gelingt.

Wie gestaltet man Räume, damit Lernen in großen oder kleinen Gruppen, zu zweit oder auch allein gelingt? Wo kann man am besten lesen, nachdenken und kreativ sein? Wo kann man diese Lernsettings in Schulen finden oder neue schaffen? Diese und viele andere Fragen beschäftigten die Teilnehmenden der 2. Werkstatt von LiGa Berlin zum Thema „Lernsettings in der Ganztagsschule gestalten“.

Fast 20 Schulleitungen, Lehrkräfte und Pädagoginnen und Pädagogen der außerschulischen Kooperationspartner von acht Schulen kamen am 14. März in der Psychologischen Hochschule Berlin zusammen. Die Teilnehmenden entwickelten gemeinsam Ideen, diskutierten und berieten, wie sich verschiedene Lernsettings an ihrer Schule umsetzen lassen.

Es muss nicht immer ein Neubau sein

Der Berliner Architekt und Brandschutzexperte Andreas Flock (brandkontrolle GmbH) gab zu Beginn einen kurzen Impuls, in dem er analog zu den sechs Design Prinzipien der niederländischen Architektin Rosan Bosch [„Designing for a better World starts at School – No more Classrooms“, Rosan Bosch 2018 ] verschiedene Lernsettings für den Schulalltag vorstellte. „Lernraum bedeutet Lebensraum, dementsprechend müssen die Räume in der Schule bewusst gestaltet werden“, sagte Flock. Um die Setting-Ideen umzusetzen, brauche es dabei nicht zwingend einen Neubau. In der Regel existierten auch in den Bestandsbauten Räume und Flächen, die sich umgestalten ließen, und so neuen Lernsettings Raum böten. „Im Bestandsbau geht es darum, diese Angebote der Gebäude zu erkennen, Bedarfe zu erfassen und Konzepte zu entwickeln. Ein Beispiel für solche Flächen sind beispielsweise Schulflure, die sich aufgrund ihrer Größe optimal eignen, um Lern- und Bewegungsräume abseits von Klassenzimmer und Pausenhof zu schaffen“, schloss Flock seinen Vortrag.

Und der Brandschutz?

In der anschließenden Diskussion konzentrierten sich die Teilnehmenden besonders auf das Thema Flurnutzung. Viele Schulen erklärten, dass sie die Flure gerne verstärkt als Lern- und Bewegungsflächen nutzen würden, sich allerdings aufgrund der Brandschutzbestimmungen nicht an das Thema heranwagten. Flock zeigte anhand mitgebrachter Praxisbeispiele wie es gelingen kann. Wellenförmig verlaufende Sitzelemente im Schulflur schaffen beispielsweise Lern- und Bewegungsflächen, die den Brandschutzverordnungen nicht zuwiderlaufen. Segeltücher, die mit wenigen Handgriffen gespannt werden können, bilden individuelle Arbeitsplätze, in die sich Schülerinnen und Schüler zurückziehen können. Flock betonte: „Die richtige Planung und Expertise ist wichtig, dann ist der Brandschutz auch nicht der natürliche Feind der Raumnutzung und -gestaltung in der Schule.“

Anschließende Arbeitsphase

In der anschließenden Arbeitsphase durften die Pädagoginnen und Pädagogen selbst kreativ werden und Designideen für neue Lernsettings in der eigenen Schule planen und darstellen. Auch in der Arbeitsphase konzentrierten sie sich auf die Schulflure. Sie entwarfen Räume und Flächen und teilweise multifunktionale Möbelstücke aus Papier, Holz, Pfeifenreinigern und Schaschlikspießen. Es entstanden Gruppenarbeitsplätze, Rückzugsorte und Bewegungsräume.

Modelle für Lernsettings

Das Schulteam der Ernst-Reuter-Schule entwarf ein erstes Modell ihrer neuen Mensa, die in den kommenden Jahren gebaut werden soll. Durch breite Fensterfronten, Sitzsäcke und mehrstöckige Sitzgelegenheiten lädt die Modell-Mensa nicht nur zum Mittagessen, sondern auch zur Nutzung zwischen den Stunden ein. Flock betonte während der Arbeitsphase, wie wichtig es sei, die Monofunktionalität des Raumes aufzuheben.

Die Jean-Krämer-Schule entwarf stapelbare Überdachungen für den Schulhof, die den Schülerinnen und Schülern auch an Regentagen das Spielen im Freien ermöglichen. Experte Flock, der den Bastelnden während der Arbeitsphase beratend zur Seite stand, zeigte sich nach der Vorstellung der Modelle begeistert. Die Ideen seien nicht nur mit dem Brandschutz vereinbar, sondern auch alle umsetzbar und schafften eine Wohlfühlatmosphäre innerhalb und außerhalb der Schule. „Der Wohlfühlfaktor ist wichtig. Dann halten sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur gerne dort auf, sondern kommen auch jeden Tag gerne wieder. Lernen geht dann wie von allein!“, sagte Flock.

k