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Nicht immer bei Null anfangen

14.05.2018 – Michael Okon-Gerling ist Schulaufsichtsbeamter der Bezirksregierung Arnsberg in NRW. Das zentrale Moment des LiGa-Programms ist für ihn der Austausch, denn dadurch können alle voneinander profitieren. Wie er das genau meint, erklärt er im Interview.

Schulaufsicht – Welche drei Begriffe fallen Ihnen zuerst ein, wenn Sie Ihren Beruf beschreiben sollen?
Beraten, Steuern, Kooperieren.

Warum nehmen Sie am Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“ teil?

Der Bereich Ganztag ist für unsere Schulen des längeren gemeinsamen Lernens, die alle im gebundenen Ganztag geführt werden, zentrales Instrument der Qualitätsentwicklung. Jede zusätzliche Unterstützung und Begleitung unserer Schulen ist hilfreich. Für mich persönlich erhoffe ich mir viel Input, um mich professionell weiterzuentwickeln. Ich bin seit 2015 in der Schulaufsicht – also noch relativ frisch dabei. Das Projekt bietet mir Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Schulaufsichten und Schulen, die ich nicht berate, mit externen Partnern wie der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung oder weiteren Kooperationspartnern. Das sind tolle Möglichkeiten, die ich gerne nutzen möchte.

Was ist für Sie das Besondere am Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“?
Die Angebote für Schulleitungen und Schulaufsichten sind das Alleinstellungsmerkmal des Programms. Und sie helfen, die eigene Professionalisierung voranzutreiben. Hinzu kommt der hochwertige Input durch die Fachtage – wie beispielsweise Anfang Mai in Berlin. Unser Geschäft lebt von Kooperation und Austausch der unterschiedlichsten Ebenen und das schreibt LiGa ganz groß. Solche Gelegenheiten bekomme ich sonst nicht. Bei uns im Haus und im Ministerium haben wir zwar auch Austauschformate, aber die sind nicht so hochgradig operativ und sehr viel formalisierter.

Wie sieht Ihre Teilnahme am Programm konkret aus?

Ich besuche regelmäßig die Netzwerktreffen. Außerdem bin ich in der Koordinierungsgruppe, in der sich alle Partner rund um LiGa treffen, um sich auch mit ähnlichen Programmen in NRW auszutauschen. Und ich nehme regelmäßig an diversen Vorbereitungsgruppen von einzelnen Formaten teil. Die letzte große Veranstaltung war die „LiGa NRW – Werkstatt 2018“ Ende Januar.
Neben meiner täglichen Arbeit mit den LiGa-Schulen liegt eine meiner Aufgaben darin, den Informationsfluss über den neuesten Stand des Programms auf verschiedenen Ebenen sicherzustellen. Ich leite die Infos weiter – beispielsweise bei Dienstbesprechungen oder bei unseren internen Dezernatssitzungen. Auch Schulen, die nicht am Programm teilnehmen, sollen von dem profitieren, was ich aus LiGa mitnehme. In der nächsten Zeit werde ich meine Zuständigkeitsbereiche wechseln und meine LiGa-Schulen abgeben. Dafür bekomme ich neue. Ich bin schon sehr gespannt auf die neuen Einblicke.

Qualität gemeinsam entwickeln – so lautet das Motto von „LiGa – Lernen im Ganztag“. Was bedeutet das für Sie?
Qualität bedeutet für mich, Bildungschancen und -gerechtigkeit herzustellen. Alle LiGa-Entwicklungsvorhaben zielen darauf ab. Ob systemischer Ansatz beim Thema Lernzeiten oder bei der Gestaltung der Mittagspause – letztlich sind es immer Instrumente, um das, was wir im Unterricht machen wollen, zu unterstützen und zu verzahnen. Individuelle Förderung und alles was dazugehört sind dabei für mich die wichtigsten Stichpunkte.
Das Wort „gemeinsam“ steht für mich für die unterschiedlichen Ebenen, die unterschiedlichen Player im Land – wie beispielsweise das Ministerium für Schule und Bildung, die Bezirksregierung, die Schulen, die Schulleitungen, die Schulaufsicht und die Partner. Wir wollen in den Projekten ja wirklich gemeinsam die Gelingensbedingungen herausarbeiten. Die Projekte sind überwiegend modellhaft und können später hoffentlich weiter genutzt werden. Das letzte Drittel der Progammlaufzeit beschäftigt sich ja auch mit dem Thema Transfer. Wir versuchen jetzt Qualität zu generieren und diese später zu übertragen. Viele sollen von den Erfahrungen und dem Wissen des Projektes profitieren können.
Da bin ich dann wieder bei meinem Kerngeschäft, der Schulaufsicht. Ich möchte den Schulen mit Praxisbeispielen Impulse liefern. Gemeinsam Qualität entwickeln heißt eben nicht immer bei Null anzufangen, sondern auch zu schauen, was andere gemacht haben und dies an die eigenen Bedingungen anzupassen.

Wie unterstützt das LiGa-Programm Ihre Zusammenarbeit mit den Schulleitungen?
Das Projekt gibt den Schulleitungen und mir die Möglichkeit, in Formaten und zu Themen über unsere jährlichen Dienstbesprechungen hinaus zu arbeiten. So können wir unsere ohnehin schon sehr gute Zusammenarbeit intensivieren – auch mit Schulleitungen, die ich nicht betreue. Der Austausch auf einer anderen Ebene ist sehr hilfreich. Das ermöglicht einen anderen Blick auf viele Dinge. Außerdem ist es spannend, Einblicke in den Alltag möglichst zahlreicher anderer Schulen zu bekommen. Regionen können sehr unterschiedlich sein, auch die räumlichen und strukturellen Bedingungen variieren von Schule zu Schule. Da kann man sich einiges für die Schulen aus dem eigenen Bereich abgucken.
Besonders interessant finde ich außerdem die inhaltliche Ausweitung des Projektes auf das Themenfeld Digitalisierung. Es ermöglicht eine zusätzliche große Austauschebene zwischen allen Beteiligten, die perspektivisch zur Grundlage von Kooperationen werden kann. Digitalisierung war ja beim zweiten Fachtag in Berlin ein großes Thema. Darüber mit Schulleitungen außerhalb der strengen dienstlichen Ebenen zu sprechen ist extrem spannend. Alle können sich so von ihren zugeschriebenen Rollen lösen und Spielräume aufzeigen.

Gibt es etwas, das Sie aus LiGa in Ihren Arbeitsalltag mitgenommen haben?
Von unserem letzten Werkstatt-Fachtag habe ich gute Anreize zum Thema Change Management mitgenommen. Ich habe auch sehr guten Input zum Thema Netzwerkarbeit und den wissenschaftlichen Hintergrund dazu bekommen. Das sind Dinge, die man gehört haben sollte, wenn man in unserem Aufgabenfeld arbeitet. Die Bedeutung und Anzahl der Netzwerke nimmt zu. Außerdem habe ich einen größeren Einblick in die Arbeit der Stiftung bekommen und die Qualität ihrer Arbeit. Da kann ich mir viel mitnehmen. Ich habe auch gelernt, mit meinen Ressourcen vorsichtiger umzugehen. Ich sollte mich nicht auf ein Projekt konzentrieren, sondern muss viele Dinge nebeneinander begleiten. Schlussendlich sollen die Schulen aber eigenverantwortlich handeln. Sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Auf dem Weg zum Ziel wachsen wir dann wieder zusammen. 

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