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Schatzkiste LiGa

13.06.2019 – Interview mit der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule in Berlin.

Die Mittelstufenkoordinatorin Bianka Hantel und die Grundstufenkoordinatorin Carolin Arlt-Gleim sind beide Lehrerinnen an der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule (HVSGS) in Berlin. Im Rahmen von LiGa hat die Schule eine neue Zeitstruktur eingeführt, die mehr individualisiertes Lernen ermöglicht.

Beschreiben Sie ihre Schule. Was macht sie besonders?

Arlt-Gleim: Wir sind eine Schule, die im steten Wandel ist. Ich bin seit 2006 an dieser Schule. Zu Beginn war es eine integrierte Haupt- und Realschule. Im Anschluss haben wir die Oberstufe eingeführt und seit dem Schuljahr 2016/17 bauen wir noch die Grundstufe auf. Damit werden wir perspektivisch in drei Jahren fertig sein. Dann sind wir wirklich eine Gemeinschaftsschule von Klasse 1 bis 13. Mit dem Gedanken der Gemeinschaftsschule kam auch der gebundene Ganztag. Unser Ziel ist, dass wir einen rhythmisierten Ganztag von 7.30 bis 16 Uhr anbieten.

Hantel: Bei uns haben die Schülerinnen und Schüler viel Unterricht, nämlich 37,5 Schulstunden pro Woche. Die HVSGS setzt ganz bewusst auf das rhythmisierte Lernen im Ganztag. Das schlägt sich auch in unseren guten Schulleistungsdaten nieder. Sie vergleichen die Leistungen der Schülerinnen und Schüler pro Schule mit den anderen Schulen der Stadt.

Was hat sich im Verlauf des Programms an Ihrer Schule konkret verändert und entwickelt?

Hantel: Unser Entwicklungsvorhaben war die Einführung einer neuen Zeitstruktur. Dadurch haben wir jetzt in der Mittelstufe eine neue Flexibilität in Sachen individualisiertes Lernen gewonnen. Mittwochs beginnen wir mit der individuellen Lernzeit. An den anderen Wochentagen fangen wir immer mit dem Morgenkreis an. Danach folgt das sogenannte „Trainieren, Üben, Vertiefen/Festigen“-Band (TÜV/F) in Deutsch und Mathe. Diese Übungszeit gab es schon seit Längerem, aber wir haben sie nun zeitlich nach vorne geschoben. Durch die neue Rhythmisierung erhalten die Klassenleitungen der Stufen 1 bis 10 an vier Tagen zusätzlich einen 40-minütigen flexiblen Einstieg in den Schultag. Das heißt, wir haben nicht nur mittwochs eine individuelle Lernzeit. Theoretisch kann nun jeder Tag mit einer individuellen Lernzeit starten. Auf der schulinternen Lehrkräftefortbildung (SchilF) hat auch das Gesamtkollegium das Potenzial der neuen Zeitstruktur erkannt.

Wie ist so eine individuelle Lernzeit grundsätzlich gestaltet?

Arlt-Gleim: Das ist abhängig von der Lehrkraft. Es kommt darauf an, wie man eine Klasse führt. An unserer Schule sind wir in der Grund- und in der Mittelstufe sehr stark klassenlehrerorientiert. Einige arbeiten mit Wochenbenachrichtigungen. Sie ist so aufgebaut, dass ganz klar ist, an welchen Aufgaben die Schülerinnen und Schüler in der kommenden Woche arbeiten müssen. Die anderen haben einen individuellen Lernplan für die Kinder. Teilweise haben sich auch die Kinder mithilfe eines Logbuchs ein eigenes System entwickelt. Alles ist flexibel. Das Wichtigste dabei ist, dass es eine individuelle Zeit ist. Hier können alle ihre individuellen Aufgaben erledigen und nichts wird nach Hause verlagert.

Hantel: Auch in der Mittelstufe wollen wir das gerade stärken. Zusätzlich möchten wir auch unsere Lernberatung ausbauen. Durch unsere LiGa-Exkursion in die Schweiz haben wir sehr viel dazugelernt. Wir unterscheiden mittlerweile ganz klar zwischen Lernberatung und Lerncoaching. Wir konzentrieren uns auf Lernberatungen und deren Dokumentation. Bei uns werden die Schülerinnen und Schüler von der Lehrkraft beraten.

Gab es eine besondere Herausforderung, für die Sie eine Lösung erarbeitet haben?

Alt-Gleim: Mit unserem ersten Konzept zu einer neuen Zeitstruktur sind wir leider baden gegangen. Wir hatten den Vorschlag: Wir ändern die Zeitstruktur und passen zur Einführung der Grundstufe die Zeitstrukturen aneinander an. Das hatten wir uns gut überlegt und waren sehr begeistert von unserem Vorschlag. In der Steuergruppe kam der Vorschlag leider nicht gut an. Von den 13 Mitgliedern waren elf anderer Meinung – und zwar massiv anderer Meinung. Mit Unterstützung des LiGa-Programms haben wir das Ganze noch mal neu konzipiert und schließlich erfolgreich umgesetzt.

Das Motto des LiGa-Programms ist „Qualität gemeinsam entwickeln“. Wer hat Ihnen geholfen, die Qualität Ihrer Schule weiterzuentwickeln?

Hantel: Wir haben uns interne und externe Beratung geholt. Für die Einführung der neuen Zeitstruktur haben wir beispielsweise eine Beratung von Daniela Wellner-Petsch aus dem LiGa-Team bekommen. Im Anschluss daran haben wir jeweils einen Fragebogen zur Zeitstruktur und zum individuellen Lernen entwickelt. Die haben wir an die Kolleginnen und Kollegen der Grund-, Mittel- und Oberstufe ausgeteilt. Die Ergebnisse haben wir anschließend auf der SchilF diskutiert und sind anschließend damit in die Steuergruppe gegangen. Und endlich hatten wir dann die endgültige Zeitstruktur auf der Gesamtkonferenz abgestimmt.

Was nimmt Ihre Schule aus der Teilnahme am LiGa-Programm mit?

Hantel: Ich empfand die Anregungen durch das LiGa-Programm als extrem hilfreich. Ich denke dabei an die Netzwerktreffen und die Exkursionen. Wir haben viele Menschen kennengelernt, die Schule fortschrittlich denken und die sich entschlossen haben, am LiGa-Programm teilzunehmen. Nachhaltig beeindruckt war ich beispielsweise von Dr. Jörg Kayser, der Schulleiter am Berliner Humboldt-Gymnasium ist. Auf den Netzwerktreffen habe ich viel Interessantes über seine Zusammenarbeit mit seiner Schulaufsicht gehört. Die Diskussionen empfand ich als sehr anregend und inhaltsreich. Auch die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Schulen waren sehr hilfreich und inspirierend. Die externen Expertinnen und Experten empfand ich als perfekt ausgewählt. Das war wirklich immer sehr interessant. Ich fand es sehr positiv, dass sich unsere Schule entschlossen hat, Netzwerkschule zu werden.

Arlt-Gleim: Ich habe gelernt, wie immens wichtig es ist, dem Kollegium immer transparent zu kommunizieren, auf welchem Stand wir gerade sind. Wir haben unterschiedliche Teams an der Schule, das Grundstufenteam, das Mittelstufenteam und das Oberstufenteam. Da ist es wichtig, dass wir die Infos für die einzelnen Teams aufbereiten.

Hantel:
Wir als AG Ganztag haben uns mithilfe von LiGa an unserer Schule ein gewisses Standing erarbeitet. Wenn wir eine neue Idee vorstellen, dann hören uns die Kolleginnen und Kollegen mittlerweile aufmerksam zu.

Arlt-Gleim: Wir haben uns aus der LiGa-Schatzkiste ganz viele Ideen rausgezogen und an unserer Schule weiterentwickelt. Ich muss einfach sagen: LiGa ist ein großartiges Programm.

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