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Ausgewählte Ergebnisse aus dem Schulleitungsmonitor 2018

10.01.2019 – Wie erfolgreich fühlen sich Schulleitungen? Wobei benötigen sie Unterstützung? Zwei Fragen, die auch für die Beteiligten von „LiGa – Lernen im Ganztag“ von hoher Relevanz sind. Genau diesen Fragen geht auch der Schulleitungsmonitor nach – eine Studie der Wübben Stiftung und der Universität Duisburg-Essen.

Wie erfolgreich fühlen sich Schulleitungen? Wobei benötigen sie Unterstützung? Zwei Fragen, die auch für die Beteiligten von „LiGa – Lernen im Ganztag“ von hoher Relevanz sind. Genau diesen Fragen geht auch der Schulleitungsmonitor nach – eine Studie der Wübben Stiftung und der Universität Duisburg-Essen. 

In diesem Artikel stellen wir Ihnen ausgewählte Ergebnisse des Schulleitungsmonitors vor.

Neue Aufgaben – neue Herausforderungen

Die Aufgaben von Schulleitungen werden immer komplexer und vielfältiger. Veränderte Rollenbeschreibungen, Aufgabenbereiche und Erwartungen stellen Schulleiterinnen und Schulleiter vor neue Herausforderungen und machen die Entwicklung neuer Kompetenzen erforderlich.

Neben den klassischen Aufgabenfeldern wie schüler- und elternbezogene Arbeit, eigener Unterricht, Vertretung der Schule nach außen und Verwaltungs- und Organisationaufgaben, kommen weitere Bereiche hinzu. Diese werden im Schulleitungsmonitor – unter Bezug auf einen Ergebnisbericht des BMBF-Projekts „Schulleitungshandeln zwischen erweiterten Rechten und Pflichten“ von 2014 – als Organisationsführung und -entwicklung, Personalführung und -entwicklung sowie unterrichtsbezogene Führungsarbeit definiert.

Um diesen gestiegenen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen Schulleitungen die Möglichkeit haben, sich nachhaltig und wirksam fortzubilden. Empirische Befunde weisen darauf hin, dass Professionalisierungsangebote wirksamer sind, wenn sie sich an den individuellen Bedürfnissen der Schulleitungen orientieren. Da hierzu bisher aber nur wenige Untersuchungsergebnisse vorliegen, haben die Wübben Stiftung und die Universität Duisburg-Essen den Schulleitungsmonitor ins Leben gerufen.

Erfolgreiche Schulleitungen – unabhängig vom Standort

Die veränderten Aufgabenbereiche von Schulleitung spiegeln sich auch in den Ergebnissen der Studie wieder. Insgesamt schätzen sich die befragten Schulleitungen unabhängig von Schulform und Standort als erfolgreich ein. In den klassischen Feldern der Schulleitung wie schüler- und elternbezogene Arbeit sowie Verwaltungs- und Organisationsaufgaben, nehmen Schulleitungen sich als besonders erfolgreich wahr.

Als weniger erfolgreich schätzen sie sich in den sogenannten neuen Handlungsfeldern ein: Personalführung und -entwicklung, Organisationführung und -entwicklung, unterrichtsbezogene Führungsarbeit und Umsetzung von Steuerungsinstrumenten. Vor besonders großen Herausforderungen sehen sich die Schulleitungen laut der Studie bei Tätigkeiten, die die Gestaltung schulinterner Entwicklungsprozesse umfassen. Dazu zählen

  • das Motivieren von Lehrkräften zu Fort- und Weiterbildungen 

  • das Motivieren von Lehrkräften zur Reflexion des eigenen Unterrichts

  • die Förderung der Innovationsbereitschaft im Kollegium

  • das Etablieren hoher Leistungserwartungen in der Schule 

  • das Durchführen von Unterrichtsbesuchen 

  • die Entwicklung unterrichtlicher Innovationen. 

Auch die Anleitung interner und das Auswerten externer Evaluationen sowie das Erstellen eines schulischen Fortbildungsplans sind Punkte, in denen die Schulleitungen sich als weniger erfolgreich wahrnehmen.

Im Hinblick auf die Fortbildungsbeteiligung gaben 87% der befragten Schulleitungen an, in den letzten zwölf Monaten aufgrund von Veränderungen innerhalb der Schule oder im schulischen Umfeld an Fortbildungen teilgenommen zu haben.

Unterstützungs- und Fortbildungsbedarfe

Trotz der neuen Aufgaben und Herausforderungen, vor die Schulleitungen sich offenbar auch selbst gestellt sehen, ist der empfundene Unterstützungs- und Fortbildungsbedarf schulformübergreifend und standortunabhängig lediglich moderat. In den traditionellen Feldern Vertretung der Schule nach außen, schülerbezogene Arbeit, Verwaltung und Organisation sowie Elternarbeit ist der Bedarf ganz besonders gering. In diesen neuen Bereichen, in denen die Schulleitungen sich tendenziell weniger erfolgreich sehen, liegen auch ihre Fortbildungsbedarfe. Das umfasst insbesondere die Aufgabenfelder Organisationsführung und -entwicklung, Umsetzung von Steuerungsinstrumenten, unterrichtsbezogene Führungsarbeit sowie Personalführung und -entwicklung.

Besonders hoch ist der Bedarf an Fortbildung und Unterstützung, wenn die Aufgabenbereiche schulische Entwicklungsprozesse umfassen: Innovation, Reflexion, Evaluation, Entwicklung von Zielen, Visionen und Programmen, Unterrichtsbesuche sowie die Fortbildung von Lehrkräften.

Unterstützungs- und Fortbildungsformate

Wie die Studie zeigt, bevorzugen Schulleitungen über alle Aufgabenbereiche hinweg Lehrgänge oder Seminare staatlicher Anbieter als Format für Fortbildungsangebote. Davon ausgenommen ist der gesondert abgefragte Themenkomplex Digitalisierung. Hier bevorzugen die Befragten Angebote nicht-staatlicher Anbieter. Allerdings folgen auch hier an dritter Stelle die staatlichen Angebote.

Ebenfalls über alle Themenfelder hinweg sehr beliebt sind professionelle Netzwerke mit anderen Schulleitungen. Zum Thema schülerbezogene Arbeit tauschen sich Schulleitungen am liebsten im Rahmen des Besuchs von Best-Practice-Schulen aus. In allen anderen Feldern ist dieses Format tendenziell unbeliebt. Auch die Unterstützungsformate Mentoring und Coaching sind bei den Schulleitungen nur für bestimmte Tätigkeitsfelder gewünscht – nämlich Personalführung und -entwicklung sowie Organisationsführung und -entwicklung.

Bedarfe entstehen beim Blick nach innen

Ob Schulleitungen Fortbildungsbedarfe sehen, hängt von mehreren Faktoren ab. Der wichtigste ist der Blick auf die internen Strukturen: Erkennt die Schulleitung hier die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung ihrer Schule, wirkt sich das auch darauf aus, ob sie bei sich selbst einen Bedarf an Fortbildung und Unterstützung sieht. Ähnlich verhält es sich mit den Entwicklungsbedarfen hinsichtlich externer Kooperationen. Als dritten Faktor identifiziert die Studie die individuellen Voraussetzungen der Schulleitung, wie die wöchentliche Arbeitszeit, die Erfahrung als Schulleitung oder die Selbstwirksamkeitserwartung.

Geteilte Führung macht erfolgreich

Laut der Studie schätzen Schulleitungen sowohl ihren Erfolg als auch ihre Unterstützungs- und Fortbildungsbedarfe anders ein, wenn es an der Schule eine geteilte Führung, zum Beispiel in Form einer erweiterten Schulleitung oder einer Steuergruppe, gibt. Geteilte Führungen wirken sich positiv auf den wahrgenommenen Erfolg in Bezug auf die Umsetzung der Personalführung und -entwicklung aus. Steuergruppen sorgen außerdem dafür, dass Schulleitungen sich bei den Themen unterrichtsbezogener Führungsarbeit sowie der Umsetzung von Steuerungsinstrumenten als erfolgreicher erleben.

Gibt es an der Schule weder eine Steuergruppe noch eine erweiterte Schulleitung, steigt der Bedarf an Unterstützungs- und Fortbildungsangeboten. 

Digitalisierung – die Krux liegt in der Infrastruktur

Die erlebten Bedarfe und Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung der Schule erfasst der Schulleitungsmonitor separat.

Bei der Umsetzung von digitalisiertem Lernen sehen sich die Schulleitungen vor allem mit infrastrukturellen Herausforderungen konfrontiert. Aber auch unter pädagogischen, didaktischen sowie fachlichen und persönlichen Gesichtspunkten wird die Digitalisierung als anspruchsvolle Aufgabe wahrgenommen.

Die infrastrukturellen Fragen nach rechtlicher Sicherheit, den Kosten für die Ausstattung und Wartung, die zuverlässige Funktion der Technik sowie eine professionelle Betreuung der Infrastruktur stechen dabei besonders hervor. Außerdem gibt die Hälfte der befragten Schulleitungen an, dass sie in ihrem Kollegium Vorbehalte gegenüber digital-vernetztem Lernen wahrnehmen.

Um auf diese Herausforderungen gut vorbereitet zu sein, bevorzugen die Schulleitungen Lehrgänge und Seminare nicht-staatlicher Anbieter, professionelle Netzwerke mit anderen Schulleitungen sowie Lehrgänge und Seminare von staatlichen Anbietern. Doch auch andere Formate wie Beratung durch staatliche und nicht-staatliche Stellen, der Besuch von Best-Practice-Schulen oder das Mentoring bzw. Coaching finden Zustimmung.

Erhebung

Durchgeführt wird die Erhebung in den Jahren 2017 bis 2020. Es gibt dabei zwei Messpunkte, zu denen eine standardisierte Online-Befragung durchgeführt wird. Grundlage für die hier dargestellten Ergebnisse ist die Befragung von 1323 Schulleiterinnen und Schulleitern oder ihren Stellvertreterinnen und Stellvertretern aus neun Bundesländern vom Mai dieses Jahres. Dabei waren Schulleiterinnen und Schulleiter von Grundschulen überrepräsentiert (63,5%). 
 
Den Schulleitungsmonitor können Sie hier bei der Wübben Stiftung kostenlos herunterladen. Weitere Informationen finden Sie außerdem hier: www.uni-due.de/izfb/schulleitungsmonitor.

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