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Nordrhein-Westfalen

Hospitationsreise nach Hamburg

Individualisierte Lehr- und Lernformen kennenlernen und Inspiration für die eigene Schulentwicklung mitnehmen – darum ging es bei einer Hospitationsreise, die die regionale Programmkoordination von LiGa Berlin Anfang des Jahres 2017 organisiert hatte. Die Reise führte nach Hamburg an die Winterhuder Reformschule. Insgesamt nahmen 27 Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Lehrkräfte und Kooperationspartner aus 15 Berliner Schulen daran teil.

Der Hospitationstag startete früh. Um 7.45 Uhr kam die LiGa-Gruppe an der Stadtteilschule an, wo sie bereits von Schülerrepräsentanten erwartet wurde. Das sind Schülerinnen und Schüler, die die Besucher ihren Schultag miterleben lassen und ihnen Einsicht in Materialien und Unterricht ermöglichen. Die Berliner interessierten sich insbesondere für die Klassenstufen der Sekundarstufe I und machten sich in Dreiergruppen mit je ein bis zwei Schülerinnen und Schülern auf den Weg in die Klassenstufen 5 bis 7, 8 bis 10 sowie die Oberstufe.

GRUPPENZEIT

An der Reformschule lernen die Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. und der 8. bis 10. Klassen in jahrgangsgemischten Lerngruppen. Die Altersmischung soll das soziale Miteinander stärken und jedem Kind ermöglichen, seinem Tempo und seinen Kompetenzen entsprechend zu lernen.

Jeder Tag beginnt mit einer halben Stunde Gruppenzeit. In den 5. bis 7. Klassen wird zum Beispiel die letzte Sendung des Kinder-Nachrichtenformats „logo!“ gezeigt und besprochen. Und in der Turnhalle starten einige Schülerinnen und Schüler bei Ballspielen dynamisch in den Tag. Wenn es ein Geburtstagskind gibt, wird die Zeit auch mal zum Feiern genutzt.

Anschließend steht für die Schülerinnen und Schüler entweder Projekt, KuBa (Kulturelle Basis) oder Werkstatt an.

FÄCHERÜBERGREIFENDES PROJEKTLERNEN

Das Projektlernen ist das Herzstück der Stundentafel. Projektlernen bedeutet hier das Lernen im Team. In vier Projekten pro Schuljahr sind die Schülerinnen und Schüler gefragt: Gemeinsam entscheiden sie, welches Thema sie bearbeiten möchten, beispielsweise Street Art oder Vorbilder der Gegenwart.

Anschließend klären sie die Zuständigkeiten und Aufgaben. So lernen die Kinder demokratisches Handeln. Für und während des Projektunterrichts lernen sie darüber hinaus Methoden für das selbstgesteuerte, eigenverantwortliche Lernen. Jede Schülerin und jeder Schüler sucht sich hierbei die inhaltlichen Zugänge selbst – die Lehrkräfte werden zu Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern.

KUBA

KuBa steht für kulturelle Basis und umfasst die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch und Gesellschaft. Die KuBa-Stunden können sich die Schülerinnen und Schüler frei einteilen. Pro Woche gibt es fünf KuBa-Blöcke. Jeder muss jedes Fach einmal belegt haben, eines davon zweimal – je nach individuellem Bedarf. Für jedes Fach gibt es Lernbausteine, d.h. Aufgabenpakete zu bestimmten Themen, die die Schülerinnen und Schüler selbstständig und eigenverantwortlich im Laufe der drei Schuljahre bearbeiten. Am Ende eines jeden Bausteins schreibt das Kind einen Test zur Leistungskontrolle. Den Zeitpunkt hierfür legt es selbst fest.

EVA UND WERKSTATT

In den EVA-Stunden gestaltet jedes Kind seine Arbeitszeit eigenverantwortlich. In diesen Stunden wird geübt, vertieft und individuell oder in der Gruppe getan, was noch zu erledigen ist. Alle zwei Wochen finden in diesen Zeitspannen auch Planungsgespräche mit dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin statt, in dem der individuelle Lernfortschritt zur Sprache kommt.

Schließlich sind Wahlpflichtkurse, die so genannten Werkstätten im Stundenplan verankert. Es gibt sechs Werkstattbereiche, etwa die zweite Fremdsprache, Theater oder Holzwerkstatt. Jeder Bereich muss mindestens einmal gewählt werden.

In der Klassenstufe 5 bis 7 werden keine Ziffernnoten vergeben. Stattdessen werden die Leistungen der Schülerinnen und Schüler über Zertifikate und Portfolios dokumentiert. Der Lernprozess wird mit Hilfe eines Logbuchs, sowie den Planungs- sowie Bilanz- und Zielgesprächen begleitet. Ab der achten Klasse vergibt die Winterhuder Reformschule auch Noten.

INDIVIDUALISIERTE LERNKULTUR

Individualisierte Lehr- und Lernformen sind an der Winterhuder Reformschule Programm. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten hier die Möglichkeit, ihren Fähigkeiten und ihrem eigenen Tempo entsprechend zu lernen. Dies erfordert von Seiten der Lehrkräfte einen Rollenwechsel hin zum Lernbegleiter bzw. zur Lernbegleiterin und viel Vertrauen in die Kinder und Jugendlichen.

Diese erhalten von Anfang an Unterstützung und Methoden an die Hand, um ihr Lernen selbst zu organisieren. Das Logbuch verschafft einen Überblick über den individuellen Lernprozess. Nicht zuletzt helfen sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig in den jahrgangsübergreifenden Lerngruppen.
Die Schülerrepräsentanten ermöglichten den Hospitanten aus Berlin wertvolle und authentische Einblicke in ihren Schulalltag, so dass diese viele Ideen für ihre eigenen Arbeit mitnehmen konnten.

Eckdaten zur Winterhuder Reformschule
Schulform: Stadtteilschule mit Primarstufe (Klassen 1 - 13)
Ganztagsschulform: gebunden
Homepage: www.sts-winterhude.de