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Digital-vernetztes Lernen als Treiber für individualisiertes Lernen

Wie können Schulaufsicht, Schulleitung und Kooperationspartner den Weg zu digital-vernetztem Lernen unterstützen? Wie entwickeln Schulen das für sie passende Medienkonzept? Und wie trägt dies zur Verankerung individualisierten Lernens bei? Diesen Fragen gingen Regine Albrecht von der Ganztags- und Gemeinschaftsschule Wanzleben, Udo Kratzer von der Mittelschule Zirndorf und Vincent Steinl vom Forum Bildung Digitalisierung in ihren Impulsen im Salon 4 „Digital-vernetztes Lernen als Treiber für individualisiertes Lernen“ auf dem LiGa-Fachtag, der am 11. Dezember 2018 in Berlin stattfand, nach.

Zwei Grundsätzliche Feststellungen

Regine Albrecht von der Ganztags- und Gemeinschaftsschule Wanzleben eröffnete ihren Beitrag mit zwei grundsätzlichen Feststellungen: Schule ist Zukunftsarbeit und Digitalisierung findet statt, ob wir es wollen oder nicht. Aus diesem Grund müssten Schulen ihre Türen weit öffnen und auch die Potenziale nutzen, die in ihren Schülerinnen und Schülern schlummern. In einer veränderten Rolle ginge es deshalb für Lehrkräfte heute und in Zukunft darum, die Fähigkeiten und die Kreativität der Schülerinnen und Schüler als Lernbegleiter zu lenken.

Gründung des Fachdialogs

Der passenden IT-Infrastruktur für individualisiertes, digital-vernetztes Lernen widmet sich in Sachsen-Anhalt ein Fachdialog im Landkreis Börde. Diese Schulleitungsinitiative hat dafür gemeinsam mit dem Bildungsministerium, der Schulaufsicht, dem Schulträger, IT-Spezialisten und dem LiGa-Programm eine Dialogstruktur etabliert. Aus dem Fachdialog heraus ist ein Empfehlungspapier entstanden, in dem auf drei Ebenen die Voraussetzungen für digital-vernetztes Lernen vorgestellt werden. Diese Ebenen umfassen die Basisausstattung, eine technische Grundausstattung der Schule sowie adäquate Erprobungsräume, in denen jede Schule für sich die passende Ausstattung und Nutzung digitaler Tools definieren kann.

Unterricht 3.0

Udo Kratzer von der Mittelschule Zirndorf stellte seinem Beitrag zwei Thesen voran. „Schlechter Unterricht digitalisiert ist immer noch schlechter Unterricht“ und „Digitalisierung ist nicht alles. Alles, was in der Schule bisher übertrieben wurde, ist gescheitert“.

Anschließend präsentierte Udo Kratzer den an der Mittelschule Zirndorf konzipierten und etablierten Unterricht 3.0. Dieser fußt auf vier Säulen:

  • Instruktionsstunden im Instruktionsraum mit neuen Aufgaben in Form eines Wochenplans
  • Eigenverantwortliches Lernen im Lernbüro, individuell nach Lernstand
  • Lerngespräche zwischen Lehrkraft und Schülerin oder Schüler
  • Nutzung digitaler Medien in Form einer Lernplattform und browserbasierten Apps und Werkzeugen

In Udo Kratzers Flipboards „Digitale Bildung – Apps und digitale Werkzeuge für den Unterricht“ und „Digitale Bildung – Mit digitalen Medien zu einer veränderten Lernkultur“ finden Sie weitere interessante Anregungen zum Thema.

Das Forum Bildung Digitalisierung

Auch Vincent Steinl vom Forum Bildung Digitalisierung ging in seiner Präsentation auf die Frage ein, wie die Digitalisierung zu einem stärker individualisierten und schülerzentrierten Lernen führen kann. Eine mögliche Betrachtungsweise dieser Thematik liefert eine Studie der Robert Bosch Stiftung. Die Studie „Personalisiertes Lernen mit digitalen Medien“ versucht, die Betrachtung individueller Lernprozesse zu strukturieren. Sie fragt auf der Makro-Ebene. Wie stark können Lernziele durch Schülerinnen und Schüler gesteuert werden? Welche Bedeutung hat Schülersteuerung für die Lernkultur? Welche Rolle nehmen die Lernzeiten dabei ein? Wann wird was gelernt und zu welchem Grad können Schülerinnen und Schüler darüber mitbestimmen? Auf der Mikro-Ebene kommen die Fragen nach der Steuerung des Lerntempos, der Sozialform und der Lernorte hinzu. Die Nutzung digitaler Medien und Werkzeuge sollte dahingehend überprüft werden, ob sie auf diesen Ebenen zur Individualisierung des Lernens beiträgt.

Ganzheitliches Verständnis von Bildung in der digitalen Welt

Das Forum Bildung Digitalisierung erarbeitet derzeit einen Orientierungsrahmen für ein ganzheitliches Verständnis von Bildung in der digitalen Welt. Aus der Zusammenarbeit mit den Schulen wird dabei deutlich, dass es vier Qualitätsmerkmale für Schulen in der digitalisierten Welt gibt:

1. Die wertschätzenden Beziehungen aller zueinander. Schule soll als Ort des sozialen Lernens und des Beziehungslernens erlebt werden.

2. Eine inklusive Lernkultur, die alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich fördert und mitnimmt.

3. Schule soll ein Ort der zukunftsorientierten Wissensarbeit sein, an dem an offenen Fragen gearbeitet wird, die über den Lehrplan hinausgehen.

4. Schulen sollten als lernende Organisationen so aufgebaut sein, dass die Weiterentwicklung und die kollegiale Kooperation gefördert werden.

Aus diesen Punkten ergibt sich ein ganzheitliches Bild von Schule in der digitalen Welt, dass sich nicht in der Personalisierung des Lernens erschöpft. Es geht stattdessen darüber hinaus, insbesondere was die Beziehungskultur betrifft, da diese nicht zu digitalisieren ist.

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